06.10.2026
Migua: Der blinde Fleck im Brandschutz
Firmeninfos
Bewegungsfugen gehören zu jedem größeren Gebäude. Sie werden bewusst geplant, weil sich Bauwerke bewegen. Temperaturwechsel, Schwinden, Kriechen, Setzungen oder Verkehrslasten sorgen dafür, dass sich Bauteile gegeneinander verschieben. Die Aufgabe einer Bewegungsfuge ist es, diese Bewegungen dauerhaft aufzunehmen. Kein Tragwerksplaner, Architekt oder Hersteller von Fugenprofilen würde eine Bewegungsfuge planen, ohne zu wissen, welche Bewegungen zu erwarten sind. Die Bewegungsaufnahme gehört zu den zentralen Auswahlkriterien eines Fugenprofils.
Erstaunlich ist jedoch, dass diese Selbstverständlichkeit häufig endet, sobald der Brandschutz ins Spiel kommt. Plötzlich steht nicht mehr die Bewegung im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie die Öffnung brandschutztechnisch verschlossen werden kann. Dabei verändert der Brandschutz die Fuge nicht. Die Fuge bewegt sich weiter – mit oder ohne Brandschutz. Genau darin liegt ein wenig diskutierter Punkt im vorbeugenden Brandschutz.
Der eigentliche Denkfehler
Brandschutz und Bewegungsfugen werden in vielen Projekten getrennt betrachtet. Unterschiedliche Fachdisziplinen und Gewerke liefern unterschiedliche Lösungen. Dabei erfüllt eine Bewegungsfuge mehrere Aufgaben: Sie muss Bauwerksbewegungen aufnehmen, Verkehrslasten aushalten, Dichtigkeit gewährleisten und zugleich Teil des Brandschutzkonzeptes sein. Keine dieser Funktionen darf die andere außer Kraft setzen. Brandschutz sollte deshalb nicht als nachträgliche Ergänzung verstanden werden, sondern als weitere Funktion derselben Bewegungsfuge. Die brandschutztechnische Lösung muss den geforderten Feuerwiderstand gewährleisten und für die tatsächlich auftretenden Bewegungen geeignet sein.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur: Ist die Fuge brandschutztechnisch verschlossen? Sondern: Kann die gewählte Lösung die tatsächlichen Bewegungen dieser Fuge dauerhaft aufnehmen?
Mehr als Feuerwiderstand
Brandschutzsysteme für Bewegungsfugen übernehmen eine sicherheitsrelevante Aufgabe. Ein definierter Feuerwiderstand allein reicht deshalb nicht aus. Entscheidend ist auch, unter welchen Randbedingungen diese Leistung nachgewiesen wurde. Die europäische Prüfnorm EN 1366-4 betrachtet lineare Fugenabdichtungen nicht nur hinsichtlich des Feuerwiderstands, sondern auch hinsichtlich ihrer Bewegungsaufnahme. Die Leistungsfähigkeit eines Systems steht damit im Zusammenhang mit den Bewegungen, für die es geprüft wurde. Systeme mit einem Bewegungsaufnahmevermögen von weniger als 7,5 %, wie z. B. die Fugenschnur, sind für starre beziehungsweise nur gering bewegte Fugen vorgesehen.
In der Praxis steht dennoch häufig die Fugenbreite im Vordergrund. Doch sie beschreibt lediglich die Geometrie. Zwei Bewegungsfugen können identische Breiten besitzen und dennoch völlig unterschiedliche Anforderungen an ihre Bewegungsaufnahme stellen.
Richtige Reihenfolge der Fragen
Vielleicht beginnt der Fortschritt im Brandschutz deshalb mit einer anderen Reihenfolge. Nicht nur: Wie breit ist die Fuge? Sondern zunächst: Welche Bewegung muss diese Fuge dauerhaft aufnehmen?
Erst dann lässt sich beurteilen, welche brandschutztechnische Lösung geeignet ist. Feuerwiderstand, Fugenbreite, Einbausituation und Bewegungsaufnahme gehören zusammen. Wer diese Faktoren gemeinsam betrachtet, reduziert Planungsrisiken und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Bewegungsfuge ihre Schutzfunktion über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes erfüllt, nicht nur am Tag der Abnahme. Diese Betrachtung gewinnt an Bedeutung: Größere Spannweiten, schlankere Konstruktionen und höhere Nutzungsanforderungen führen dazu, dass Bauwerksbewegungen eher zu- als abnehmen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an den vorbeugenden Brandschutz.
Bewegungsfugen hören nicht auf, sich zu bewegen, sobald Brandschutz gefordert wird. Warum sollte ihre Bewegung dann bei der Planung brandschutztechnischer Lösungen in den Hintergrund treten?
Brandschutz als integralen Bestandteil der Bewegungsfuge betrachten
Seit Jahrzehnten beschäftigt sich MIGUA mit Bewegungsfugen und deren technischen Anforderungen. Aus diesem Verständnis entstand MIGUFIRE: der Ansatz, Brandschutz nicht als separates Gewerk, sondern als integralen Bestandteil der Bewegungsfuge zu betrachten. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne Produkte, sondern die Frage, wie Bewegungsaufnahme und Brandschutz dauerhaft zusammenwirken können. Geprüfte Systeme und technische Nachweise bilden hierfür die Grundlage (ETA Zulassung).
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