Fuxxarchiv Fuxxarchiv
28.09.2026

Schnittstelle Fußboden: Kooperation mit österreichischen Bodenlegern und Sachverständigen

Auf ihrer zweiten Pressekonferenz in Frankfurt am Main gab die Initiative Schnittstelle Fußboden Einblicke in ihre vielfältigen Aktivitäten. Neben der Erfolgsbilanz bisheriger Praxis-Merkblätter standen vor allem zwei Zukunftsthemen im Fokus: Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit den österreichischen Bodenlegern und Sachverständigen sowie die Überarbeitung der DIN 18365 Bodenbelagarbeiten. Die Botschaft des Branchenbündnisses ist eindeutig: Für Handwerk, Planer und Bauherren braucht es praxistaugliche Regelwerke statt bürokratischer Hürden – dafür setzt sich die Schnittstelle Fußboden auch im europäischen Schulterschluss ein.

Die Initiative Schnittstelle Fußboden bleibt ihrem Namen treu: Als schlank strukturierter, branchenumspannender Zusammenschluss bündelt sie die Interessen von Parkett- und Bodenlegern, Raumausstattern, Malern und angrenzenden Gewerken. In Frankfurt präsentierten der Sprecher der Initiative, Ralf Wollenberg, und seine Mitstreiter nicht nur ein Resümee ihrer bisherigen Veröffentlichungen, sondern stellten die Weichen für die internationale Ausweitung ihrer Arbeit sowie das Engagement um eine handwerksgerechte Überarbeitung der wichtigen Norm DIN 18365 Bodenbelagarbeiten. An einem aktualisierten, verbändeübergreifenden Kommentar zur DIN 181365 möchte die Schnittstelle Fußboden gerne federführend mitarbeiten.

Einer der Höhepunkte der Frankfurter Pressekonferenz Ende September 2026 war der Auftritt von Martin Kranl, Obmann der Bundesfachgruppe der Sachverständigen für Fußbodentechnik in Österreich. Kranl verkündete eine strategische Partnerschaft: Die österreichischen Bodenleger und Sachverständigen treten ab sofort aktiv der Schnittstelle Fußboden bei. „Wir sprechen dieselbe Sprache und stehen vor haargenau denselben technischen Problemen am Bau“, erklärte Kranl. „Es macht im Jahr 2026 überhaupt keinen Sinn, wenn jedes Land einzeln die gleichen Aufgabenstellungen bearbeitet. Die Praxis-Merkblätter der Schnittstelle Fußboden haben mich überzeugt: Sie sind kurz, prägnant, verzichten bewusst auf abschreckende Paragraphen-Zitate und packen die echten Nöte von Handwerkern, Planern und Bauherren an.“

Schulterschluss mit
Österreichs Bodenlegern


Kranl war konkret an die Schnittstelle Fußboden herangetreten, als man in Österreich ein Merkblatt zur Lebensdauer von Bodenbelägen entwickeln wollte. Anstatt Doppelstrukturen aufzubauen, schloss man sich kurz. Die Kernidee der Kooperation: Sämtliche Merkblätter der Schnittstelle Fußboden sollen künftig spiegelbildlich auch für die österreichischen Fachbetriebe und bei dortigen Rechts- und Regelwerksfragen Gültigkeit besitzen. Ralf Wollenberg bekräftigte eines der Ziele der Initiative: „Als Schnittstelle Fußboden wollen wir am Boden einen möglichst großen Konsens erreichen. Dabei hilft es, dass die Merkblätter der Schnittstelle Fußboden kurz und prägnant sind und auch von Endkunden verstanden werden.“

Auch auf europäischer Normungsebene bringt die Partnerschaft konkrete Vorteile. Wenn in den Gremien des europäischen Komitees für Normung, der CEN, Vorstöße gewagt werden, brauche es Allianzen, so die Überzeugung der Schnittstelle Fußboden: „Wenn man europäisch etwas bewegen will, benötigt man die Stimmen von mindestens fünf Ländern. Mit Deutschland und Österreich ziehen nun bereits zwei Mitgliedsländer an einem Strang“, betonte die Runde. Dr. Norbert Arnold, der sich als Vorsitzender des Technischen Kommission Bauklebstoffe (TKB) auch bei der Schnittstelle Fußboden einbringt, sieht einen weiteren positiven Nebeneffekt: „Die Bearbeitungszeit von unseren TKB-Merkblättern, die wir auch den benachbarten Verbände vorab zukommen lassen, hat sich erheblich verkürzt.“

Merkblätter: Wo der Schuh
in der Praxis wirklich drückt


Neben der Zusammenarbeit mit österreichischen Verlegehandwerk zog die Schnittstelle Fußboden Bilanz zu ihren zuletzt veröffentlichten Merkblättern, die in der Branche wohlwollend aufgenommen worden sind:

1. Fräsungen für Fußbodenheizungen im Bestand: Das im Vorjahr erschienene Informationsblatt zu nachträglich in den Estrich eingefrästen Fußbodenheizungsleitungen entwickelt sich laut eigener Einschätzung zum Standardwerk. So übernahm der Bundesverband Parkett und Fußbodentechnik (BVPF) das Dokument mit Ergänzungen als Basis für seine Sachverständigen. Gleichwohl warnten die Verantwortlichen von Schnittstelle Fußboden vor der Zunahme von optischen Mängeln: „Wenn Verarbeiter herstellerseitige Spachtelmassen-Vorgaben missachten, zeichnen sich möglicherweise die Heizungsleitungen im Gegenlicht unschön im Bodenbelag ab.“ Von Estrich-Sachverständigen war in den vergangenen Monaten vermehrt zu hören, dass nachträgliche Fräsungen des Estrichs diesen schwächen und beschädigen können.

2. Randdämmstreifen bei neuen Estrichen: Bislang existierte keine gewerkübergreifende Schnittstellenbeschreibung zur Montage und den Schnittstellenverantwortlichkeiten bei Randdämmstreifen. Das Merkblatt schließt diese Lücke bei dem Dauerbrenner-Thema ideal. Dass es dazu kaum negativen Rücklauf gab, bewertet die Schnittstelle Fußboden als Erfolg: Streitigkeiten zur Verantwortlichkeit zwischen Estrich- und Bodenlegern sollen so verhindert werden.

3. Fugen bis 6 mm bei Zementestrichen: Ein Dauerbrenner in der Gutachterpraxis ist das Schüsseln von Zementestrichen. Diese weisen materialspezifisch ein Verformungsverhalten auf. Verformt sich der Estrich nach der ersten Heizperiode wieder zurück, entstehen am Wandanschluss unter den Fußleisten häufig sichtbare Abrissfugen von mehreren Millimetern.

Oft wird der Bodenleger vom Bauherrn haftbar gemacht, wenn die Leiste plötzlich „an der Wand hochklettert“. Die Schnittstelle Fußboden stellte klar: Zementestriche weisen bauartbedingt Verformungen auf, die zu Fugen bis zu 6 mm führen können – ohne dass ein Ausführungsfehler des Bodenlegers vorliegt. Alternativ lassen sich laut der Initiative Calciumsulfatestriche einsetzen, die kaum schüsseln, teilweise geringere Einbaudicken erlauben und bei konventionellem Einbau ähnliche Trocknungszeiten benötigen. Das Veröffentlichen dieser Zusammenhänge gibt den Betrieben endlich eine zitierfähige Argumentationshilfe an die Hand, um unberechtigte Reklamationen abzuwehren.

Tauziehen um die DIN 18365:
Streit im Normenausschuss


Einen weiteren Schwerpunkt der Pressekonferenz bildete der Bericht über den aktuellen Beratungsstand zur Überarbeitung der Norm DIN 18365 Bodenbelagarbeiten. Die Norm legt einheitliche technische Standards und vertragliche Bedingungen für das Verlegen von Bodenbelägen fest. Seit Januar 2026 tagt der zuständige DIN-Ausschuss. Ursprünglich auf drei Sitzungen angesetzt, steht im November 2026 bereits der vierte Termin an – Grund dafür sind fundamentale Interessengegensätze zwischen der Boden- und der Estrichbranche.

Die Vertretungen des Bodengewerbes (welche rund 90.000 in den Handwerkskammern eingetragene Betriebe repräsentieren) sehen sich im Normenausschuss einer massiven Präsenz von Vertretern der Baustoffindustrie (unter anderem Fließestrichhersteller) und der Estrichsparte (rund 5.000 Betriebe) gegenüber.

Zwei Streitpunkte sorgen für Zündstoff:

1. Winkelabweichungen (Prüfpflichten)
• Estrich-Fraktion: Bodenleger soll als Regelprüfung Winkeltoleranzen prüfen und verantworten.
• Bodenleger-Standpunkt: Der Bodenleger kennt die zulässigen Abweichungen nicht und hat auch nicht die erforderliche Messtechnik. Verantwortung aus Schlechtleistung der Vorgewerke und der Bauüberwachung wird auf den Bodenleger abgewälzt.

Bei der Überarbeitung der DIN 18365 im Jahr 2016 tauchte im fertigen Text überraschend die Prüfpflicht auf „größere Winkelabweichungen“ auf – ein Passus, der im Protokoll der letzten Ausschusssitzung dazu gar nicht enthalten war, schilderte die Schnittstelle Fußboden. „Die Messgeräte für Winkeltoleranzen gehören nicht zur klassischen Ausrüstung des Bodenlegers, der meist weder Schlauchwaage noch Laser-Winkelmesstechnik mit sich führt. Das Prüfen von Winkeltoleranzen wird in den Berufsschulen den Auszubildenden nicht beigebracht“, erklärte Ralf Wollenberg. Erkennt der Verleger eine Winkelabweichung des Untergrunds nicht, droht ihm die Haftung für spätere Mängel. Die Verbände des bodenlegenden Handwerks fordern im aktuellen DIN-Ausschuss vehement, diese praxisfremde Last aus den Prüfpflichten der DIN 18365 zu streichen.

2. Belegreife & Feuchtemessung
• Estrich-Fraktion: Starre Verweise auf DIN 18560; Anhebung Grenzwert beheizter CAF-Estrich auf 0,5 CM-%.
• Bodenleger-Standpunkt: Festhalten an 0,3 CM-%; Handwerker muss Prüfmethode frei wählen dürfen.

Besonders emotional wird um den Textabschnitt bezüglich „nicht genügend trockener Untergrund“ gerungen. Die Estrich- und Baustoffseite drängt auf einen starren Verweis auf die DIN 18560 („Estriche im Bauwesen“). Dies würde laut der Schnittstelle Fußoden bedeuten:

• Probleme im Altbau: Werden alte, jahrzehntelang genutzte Zementestriche bei Belagswechseln bewertet, weisen diese in der Regel eine Ausgleichsfeuchte von ca. 0,9 bis 1,2 CM-% auf. Nach der DIN 18560 wäre eine Belegung bei 2 CM-% zulässig, de facto ist ein alter Estrich bei diesem Wert zu feucht und führt zu einem erheblichen Reklamationsrisiko beim ausführenden Handwerker

• Gefährliche Anhebung der Feuchtegrenzwerte: In der DIN 18560 wurde der Grenzwert für beheizte Calciumsulfatestriche einst eigenmächtig auf 0,5 CM-% angehoben. Sämtliche Belag- und Verlegewerkstoffhersteller – dokumentiert im TKB-Merkblatt 8 – fordern für beheizte Calciumsulfatestriche jedoch zwingend max. 0,3 CM-%, um massive Feuchteschäden, Blasenbildungen und Geruchsbelästigungen auszuschließen. Eine Anhebung dieses Wertes, wie in der DIN 18560 beschrieben, um 66 % lehnt das Bodenlegerhandwerk strikt ab.

Die Bodenlegerverbände plädieren für eine klare, flexible Formulierung („Nicht genügend trockener Untergrund“), die dem Handwerker die Freiheit lässt, den Feuchtezustand eigenverantwortlich zu bewerten. Ob durch Sichtprüfung bei Aufnahme des Altbelages, die klassische CM-Messung oder bei modernen Beschleunigern mit unterschiedlichen Grenzfeuchtewerten mittels der KRL-Methode (korrespondierende relative Luftfeuchte) – der Handwerker muss das für seinen Fall geeignete Prüfverfahren selbst wählen können, meint die Schnittstelle Fußboden.

Ausblick: Mit klarer Haltung
in die Zukunft


Die Dynamik der Initiative Schnittstelle Fußboden zeigt eindrucksvoll, wo die Reise der Branche hingeht. Angesichts komplexer werdender Materialien, steigender gesetzlicher Anforderungen an die Nachhaltigkeit und veränderter Kundenbedürfnisse braucht es mehr denn je verlässliche Leitplanken für den Praxisalltag des Bodenhandwerkers. Die Bündelung von handwerklicher Expertise, technischem Know-how der Zulieferindustrie und der Erfahrung der Sachverständigen an einem Tisch ist hierfür ein gelungener Ansatz. Indem die Initiative den Konsens sucht und technische Themen praxisnah und verständlich aufarbeitet, schafft sie das, was Verleger vor Ort am dringendsten benötigen: Qualitätssicherung, Rechtssicherheit und die Vermeidung von Konflikten auf der Baustelle.

Die Initiative Schnittstelle Fußboden hat sich in kurzer Zeit von einem notwendigen Befreiungsschlag zu einem zukunftsweisenden Sprachrohr des bodenlegenden Handwerks entwickelt. Ein starkes Signal an die gesamte Baubranche, das zeigt: Wenn Praxis und Industrie an einem Strang ziehen, entstehen lösungsorientierte Maßstäbe, die den gesamten Fußbodenbau stärken.

Mitglieder der Schnittstelle Fußboden sind:

- Bundesverband der vereidigten Sachverständigen für Raum- und Ausstattung (BSR)
- Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz (BV Farbe)
- Bundesverband Parkett und Fußbodentechnik (BVPF)
- Industrieverband Klebstoffe (IVK/TKB)
- Fachverband der Hersteller elastischer Bodenbeläge (FEB)
- Verband der mehrschichtig modularen Fußbodenbeläge (MMFA)
- Verband der deutschen Parkettindustrie (VDP)
- Verband der Europäischen Laminatfußbodenhersteller (EPLF)
- Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR)

Der FussbodenTechnik-Newsletter: Hier kostenlos anmelden
 Schnittstelle Fußboden: Kooperation mit österreichischen Bodenlegern und Sachverständigen
Foto/Grafik: SN-Verlag
Gastgeber der Pressekonferenz der Schnittstelle Fußboden in Frankfurt, vordere Reihe von links: Ralf Vowinkel (Präsident ZVR), Ralf Wollenberg (Stellvertretender Bundesinnungsmeister BVPF und Sprecher der Schnittstelle Fußboden), Ronald Schenk (BSR); hintere Reihe: Dr. Norbert Arnold (TKB-Vorsitzender), Jörg Baumann (BV Farbe) und Michael Schmid (1. Vorsitzender VDP).
 Schnittstelle Fußboden: Kooperation mit österreichischen Bodenlegern und Sachverständigen
Foto/Grafik: SN-Verlag
Verkündeten eine deutsch-österreichische Zusammenarbeit: Ralf Wollenberg (links), Sprecher der Schnittstelle Fußboden, und Martin Kranl, Obmann der Bundesfachgruppe der Sachverständigen für Fußbodentechnik in Österreich.
 Schnittstelle Fußboden: Kooperation mit österreichischen Bodenlegern und Sachverständigen
Foto/Grafik: SN-Verlag
Die Teilnehmer der Pressekonferenz der Schnittstelle Fußboden trafen sich in den Tagungsräumen des Bundesverbands Farbe in Frankfurt am Main. Dr. Oliver Nicolai (Technischer Referent des BV Farbe, vorne links) begleitete das Treffen als Gastgeber.

Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren

[02.06.2026] TKB: Dr. Norbert Arnold als Vorsitzender wiedergewählt
[11.05.2022] BVPF: Dr. Norbert Arnold erhält Baumann-Fröhlich-Preis
FussbodenTechnik
FussbodenTechnik
FussbodenTechnik-Newsletter
jetzt kostenlos anmelden

Mit Ihrer Anmeldung erhalten Sie kostenlos unseren Newsletter mit aktuellen Nachrichten der Branche. Außerdem dürfen wir Ihnen per E-Mail auch weitere interessante Hinweise zu Verlagsangeboten, Umfragen sowie zu ausgewählten Veranstaltungen und Angeboten unserer Partner zusenden. Diese Einwilligung ist selbstverständlich freiwillig und kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Für den Versand unserer Newsletter nutzen wir rapidmail. Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie zu, dass die eingegebenen Daten an rapidmail übermittelt werden. Beachten Sie bitte deren AGB und Datenschutzbestimmungen.


FussbodenFUXX
FussbodenTechnikFussbodenTechnik

Kontakt
  • Kontakt Redaktion
  • Kontakt Anzeigen
  • Kontakt Leserservice

Branche

Verlag