05.03.2026
Wohnungsbau bis 2028: Deutschland und Österreich hinken hinterher
Die Werte klingen gewaltig und sie klingen gut: Nach Einschätzung des Forschungs- und Beratungsnetzwerkes Eurconstruct steigt die Anzahl fertiggestellter Wohnungen in Europa von 1,44 Mio. im Jahr 2025 auf 1,47 Mio. im Jahr 2026 und bis 2028 sogar auf voraussichtlich 1,66 Mio. Einheiten. Vergleicht man die Jahre 2028 und 2024, ergibt sich eine Zunahme von 5,1 %. Der Haken an der Sache: Laut Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister wird der allgemeine Aufschwung in Deutschland erst verzögert einsetzen und nur moderat ausfallen.
Fertigstellungen pro 1.000 Einwohner unterdurchschnittlich
Laut seiner Einschätzung fallen die Fertigstellungen nach einem Rückgang auf 205.000 Wohnungen im Jahr 2025 im laufenden Jahr weiter auf 185.000 Einheiten. Erst dann erwartet Dorffmeister einen Anstieg. Mit den prognostizierten 215.000 Fertigstellungen in 2028 läge Deutschland aber immer noch 15 % unter dem Wert von 2024. Auch die Fertigstellungen pro 1.000 Einwohner blieben in diesem Fall mit 2,6 deutlich unter dem europäischen Mittel von 3,4.
Dabei sind die Voraussetzungen für eine günstige Entwicklung gar nicht schlecht. „Die allgemeinen, ökonomischen
Rahmenbedingungen haben sich mittlerweile verbessert“ sagt Ludwig Dorffmeister. „Zudem sprechen der Bau-Turbo, steigende Bundeszuschüsse für den Sozialwohnungsbau und diverse lokale oder regionale Initiativen zur Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung oder zur Baukostensenkung für verbesserte Investitionsanreize. Hinzu kommen das beschleunigte Mietenwachstum, durch das sich die Finanzspielräume der Bestandshalter vergrößern, die wieder steigenden Preise für Wohnimmobilien sowie die vorübergehende Förderung nach dem EH55-Standard.“ Ob die staatlichen Maßnahmen die erhoffte Wirkung entfalten, ist allerdings noch offen. Zudem klaffen Projektkosten und Zahlungsbereitschaft in vielen Fällen deutlich auseinander: „Die Baupreise bleiben, vor allem wegen der Material- und Personalkosten, hoch und wachsen kontinuierlich stärker als die Verbraucherpreise“, konstatiert Dorffmeister. Gleichzeitig schwächelt der Arbeitsmarkt. Und die kaum kalkulierbaren direkten und indirekten Auswirkungen diverser Kriege, Krisen und Konflikte bis hin zu den Zoll-Kapriolen des US-Präsidenten sind da noch gar nicht berücksichtigt.
Österreich rückläufig, Schweiz mit leichtem Plus
Noch trüber sind die Aussichten für Österreich. In der Alpenrepublik erwartet Euroconstruct bis 2028 nicht einmal eine Trendumkehr, sondern Jahr für Jahr einen weiteren Rückgang. Im Vergleich 2024 (47.000 Fertigstellungen) zu 2028 (33.000) ginge knapp ein Drittel verloren. Prozentual sind die -29 % der größte Einbruch in allen 19 betrachteten Ländern. Für die Schweiz ergäbe sich im Fünf-Jahres-Vergleich zumindest ein leichtes Plus von 5 %.
Betrachtet man den Zeitraum zwischen 2025 und 2028 auf europäischer Ebene, wird der Wohnungsbau vor allem durch einige größere Länder belebt: Großbritannien erhöht seine Fertigstellungen von rund 161.000 auf 207.000 Wohnungen, Frankreich von 272.000 auf 314.000 und Spanien von 95.000 auf 135.000 Einheiten. Besonders dynamisch entwickeln sich kleinere Länder wie Ungarn von rund 14.000 auf 27.000 Wohnungen, Irland von 34.000 auf 45.000 und Schweden von 32.000 auf 41.000 Einheiten.
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