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16.09.2026

9. Fließestrichforum in Fulda: Auch 2026 wieder der Branchentreff

Firmeninfos
Von künstlicher Intelligenz bis zum Recycling von Calciumsulfat-Fließestrichen – die Organisatoren des 9. Fließestrichforums hatten einen attraktiven Themenmix zusammengestellt und konnten am 8. September 2026 mehr als 100 Teilnehmer im hessischen Fulda begrüßen. Der gelungene Branchenevent wird getragen vom Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM), dem Bundesverband Estrich und Belag (BEB) und dem Institut für Baustoffprüfung und Fußbodenforschung (IBF).

„Hier trifft sich die Branche, es ist Zeit genug für persönliche Gespräche mit Kollegen. Und fachlich nimmt man immer was mit.“ So bewerten die Teilnehmer die Mischung aus Netzwerken am Vorabend und dem vielseitigen Vortragsprogramm tags darauf. Sebastian Groppweis (Geschäftsführender Gesellschafter Maxit und VDPM-Mitglied) und Antje Hannig (Geschäftsführerin Marketing und Technik VDPM) sowie Daniel Rendler (BEB-Vorsitzender) und Bernfried Hansel (BEB-Obmann Arbeitskreis Calciumsulfatestrich) präsentierten den Teilnehmern eine spannende Mischung aus Technik und Praxis mit dem Megatrend Nachhaltigkeit als thematischer Klammer.

Zu Beginn des ersten Vortragsblocks stellte Dr. Matthias Büttner, Head of Development Center D/A/CH bei Knauf Gips, das vom VDPM und der Industriegruppe Estrichstoffe im Bundesverband der Gipsindustrie (IGE) erarbeitete Merkblatt 11 „Nachhaltigkeit von Calciumsulfat-Fließestrichen“ vor. Inhaltliche Schwerpunkte sind unter anderem Rohstoffgewinnung, Produktion und Logistik sowie Rückbau und Recycling. „Das Merkblatt soll die Transparenz des Begriffs Nachhaltigkeit erhöhen, indem entsprechende Datenquellen (insbesondere Umwelt-Produktdeklarationen) aufgezeigt werden und ein Überblick über themenbezogene Label sowie einschlägige Zertifizierungssysteme gegeben wird“, so Dr. Büttner. Das Merkblatt kann auf www.vdpm.info unter dem Menü-Punkt „Services“ heruntergeladen werden.

Woher kommt der
Baustoff Gips in Zukunft?


Reichen unsere Rohstoffe für die Zukunft? Diese in der Branche viel diskutierte Frage beantwortete Andreas Hübner (CASEA) optimistisch. Für den in einigen Jahren wegfallenden REA-Gips könne Recycling-Gips durchaus eine alternative Rohstoffquelle sein, die aber nicht im benötigten Umfang verfügbar ist. Nachhaltiges Bauen bedeute auch weniger Abriss in Deutschland und damit weniger Recyclingrohstoff. Zum Ausgleichen der Rohstofflücke kommen in erster Linie Naturanhydrite und -gipse infrage. In der Diskussion stehen unter anderem Phosphat-, Citronensäure- und Titanogips sowie Zement. „Für die Herstellung von Estrich wird es immer Rohstoffe geben in absehbarer Zukunft“, so Andreas Hübner, „Naturanhydrit, synthetischer Anhydrit und Zement werden dabei eine wichtige Rolle spielen.“ Möglicherweise werden Gips-Rohstoffe aus dem Ausland importiert werden müssen und so das Bauen für Bauherrn verteuern.

Dr. Grit Losch (CASEA) präsentierte die Initiative „Gipsrecycling als Chance für den Südharz“, die durch das vom Bundesforschungsministerium unterstützte Bündnis WIR! (Wandel durch Innovation in der Region) realisiert wird. Die Referentin berichtete über drei Forschungsprojekte, die über WIR!-Bündnisse initiiert wurden:

• einen Putzgipsmörtel auf der Basis von Recycling-Gips (EcoStuc),
• ein Sortierverfahrens zur Nutzbarmachung von Gips/Anhydrit-Übergangsgestein (SortGips) und
• einen Recycling-Fließestrich auf Calciumsulfat-Basis (RC-Estrich).

Die im Detail vorgestellten Verfahren zeigten, dass mit Gipsrecycling und dem Einsatz von Estrichbruch Innovationsprozesse technisch realisierbar sind und praxistaugliche Ergebnisse entstehen. Um dieses Potenzial in der Praxis voll auszuschöpfen, erfordert der Markterfolg jedoch eine konsequente, sortenreine Erfassung auf der Baustelle. „Neben einer gezielten Analytik vor dem Rückbau und einer gründlichen Entfrachtung von Störstoffen ist die separate Erfassung ausgebauter Estrichflächen die entscheidende Voraussetzung für ein hochwertiges Baustoff-Recycling“, so die Referentin.

Nachhaltig bauen, Förderung sichern:
Wie das Handwerk von QNG und Systembau profitiert


Thomas Siebenhaar (Projekt Bauart Wohninvest) verdeutlichte in seinem Vortrag, wie das ESG-Regelwerk Investitionsentscheidungen im Wohnungsbau prägt. Die Vorgaben reichen von Investoren und Banken bis in die Bauausführung. Ein Materialwechsel von Zement- zu Calciumsulfatestrich reduziert die CO2-Emissionen des Estrichs um 40 bis 60 % und verbessert die Herstellungsbilanz des Gebäudes um 2 bis 5 %. Solche Entscheidungen helfen, Treibhausgas- und Primärenergie-Grenzwerte einzuhalten, wie das Gebäudekonzept Bauart 5D zeigt, so der Referent. Nachhaltigkeit und Siegel wie das QNG sichern Förderungen, Zinsvorteile sowie Abschreibungen und sind damit wichtige Wirtschaftsfaktoren. Für Handwerksbetriebe erfordert dies strenge Schadstoffkontrollen, lückenlose Baustoffdokumentation und enge Mitwirkung an Zertifizierungen. Standardisierte Systembaulösungen sowie gezielte Baustoffentscheidungen werden so zum Schlüssel für Wirtschaftlichkeit.

Warum Dünnschicht- und Frässysteme Sonderkonstruktionen
sind und klare Bedenken-Hinweise verlangen


Sind Dünnschichtestriche und eingefräste Fußbodenheizungen regelkonform? Burkhard Prechel (Mapei) erklärte dazu: „Da Dünnschichtestriche von den Vorgaben nach DIN 18560 abweichen, sind sie Sonderkonstruktionen. Die Ausführungsbestimmungen des Systemgebers sind zwingend einzuhalten.“ Prechel wies darauf hin, dass durch den Fräskanal die wirksame Estrichdicke stark reduziert, gleichzeitig die Druck- und Zugbelastung erhöht wird. Der Estrich kann an Tragfähigkeit einbüßen. Weil sowohl bei Dünnschichtestrichen wie bei Frässystemen noch viele Fragen offen sind (Prüfung des Bestandsestrichs, Gewerkekoordination, Haftung), rät er dem Handwerk, Bedenken anzumelden und Auftraggeber auf mögliche Risiken hinzuweisen.

Rechtsanwalt Frank Häberer (Häberer + Partner) erläuterte direkt an Burkhard Prechel anknüpfend, unter welchen Bedingungen Abweichungen von den allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) rechtssicher vereinbart werden können. Funktion, Sicherheit und zwingendes Recht bilden dabei die Grenze. Wer vom Standard abweicht, benötigt eine akribische Aufklärung des Bauherrn und eine schriftliche Dokumentation. Nur durch eine form- und fristgerechte Bedenkenanmeldung lassen sich Haftungsrisiken für den Betrieb begrenzen.

Chancen und Risiken
von KI erkennen


Mick Nitschke (Seminar Pool) demonstrierte, wie Künstliche Intelligenz (KI) Fachunternehmern den Büroalltag erleichtert – etwa bei Korrespondenz, Bildbearbeitung und Dokumentationen. Mit passenden Prompts (gemeint sind Handlungsanweisungen an die KI) gelingen professionelle E-Mails, juristische Texte oder die Aufbereitung von Baustellenfotos in Sekunden, was erhebliche Arbeitszeit spart. Zugleich warnte der Referent vor Risiken bei Datenschutz, Betriebsgeheimnissen und Haftung sowie vor den Transparenzvorgaben des EU AI Acts. Wegen Risiken wie „Halluzinationen“ von Normen oder Messwerten dürfen Ergebnisse nie ungeprüft übernommen werden.

Fazit: KI bietet Handwerksbetrieben enorme Effizienzvorteile in der Kommunikation, doch die finale fachliche Prüfung und Haftung bleibt unverändert beim Praktiker.

Estrich & Bauphysik: Feuchtigkeit, Lüften
und die „richtige Entscheidung“


Roman Kirchhofer (KBS) lieferte in seinem Vortrag über den Einsatz von Calciumsulfat-Fließestrichen im Holzbau eine Fülle relevanter Detailinformationen zur Bauphysik im Zusammenhang mit Feuchtigkeit und zur Akustik in Verbindung mit dem notwendigen Trittschallschutz. Er analysierte beim Feuchteeintrag wichtige Begleitfaktoren wie das Lüften und die optimale Heizkurve im Trocknungsprozess bei Holzbauten. Es folgten detaillierte Darstellungen der Mess- und Prüfverfahren beim Trittschall und die Bewertung von Trittschall-Dämmmaßnahmen. Der hohe Aufwand und die zahlreichen Anforderungen beim Fließestricheinsatz im Holzbau seien letztlich notwendig, „damit eine Mehrheit der Benutzer bei üblicher Nutzung vor erheblicher Störung geschützt wird.“

Zum Abschluss des Fließestrichforums 2026 lud Michael Brogna (Swiss Floor) die Zuhörer ein, mit ihm dem Lebenszyklus eines Sichtestrichs zu folgen, beginnend bei ersten Denkmodellen, über die Beratung von Architekt und Nutzer, über Materialien, Muster und den geeigneten Partner für eine hochwertig-handwerkliche Ausführung bis hin zur fachgerechten Nutzung und Pflege. Den roten Faden dieses Vortrages beschrieb Michael Brogna so: „Sichtestrich ist kein einzelner Arbeitsschritt, sondern eine geführte Entscheidungskette.“

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 9. Fließestrichforum in Fulda: Auch 2026 wieder <i>der</i>  Branchentreff
Foto/Grafik: SN-Verlag
Die Teilnehmer des Fließestrichforums in der Orangerie des Maritim Hotels Fulda.
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Bernfried Hansel (Obmann des Arbeitskreises Calciumsulfatestriche im BEB), Daniel Rendler (Vorsitzender BEB), Sebastian Groppweis (Maxit Gruppe und VDPM-Mitglied) und Antje Hannig (Geschäftsführerin Marketing und Technik VDPM).
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In Fulda stand der Fließestrich einen Tag lang zentral im Mittelpunkt und versammelte mehr als 100 Teilnehmer in der geografischen Mitte Deutschlands.
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Dr. Matthias Büttner, Knauf
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Andreas Hübner, CASEA
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Dr. Grit Losch, CASEA
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Thomas Siebenhaar, Projekt Bauart Wohninvest
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Burkhard Prechel, Mapei
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Frank Häberer, Kanzlei Häberer + Partner
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Mick Nitschke, Seminar Pool
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Roman Kirchhofer, KBS
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Michael Brogna, Swiss Floor
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